hosted by: www.uboot.com   www.uboot.com  
pinolino
user status:  user status 
 Träume dein Leben und lebe deinen Traum!
 offline  visits: 102.190  

pinolino » blog » Links


     
09.05.2008 12:17

Panzer in Moskau

Moskau hat auf dem Roten Platz am Kreml eine große Parade gefeiert. Das Militär durfte dabei nicht fehlen. Und seit viele Jahren war es das erste Mal, dass auch wieder schwere Panzer und Geschütze über den Platz rollten. Diese unglaubliche Propaganda-Show hätte ich gern selbst gesehen. Es muss ein komisches Gefühl sein. Allein die Bilder (vom Spiegel) sind schon beeindruckend und dennoch beklemmend. Man könnte fast glauben, man sei um Jahre in die militärische Vergangenheit gereist.
0 kommentare   0 trackbacks

     
18.04.2008 10:39

Gedichtekarussell

Das Gedichtekarussell bezeichnet eine Gemeinschaft von Dichtern, die ihre Werke der allgemeinen Öffentlichkeit präsentieren möchte. Die erste Ausgabe eines kleinen Heftes mit Gedichten von etwa 20 Autoren wird im 1. Mai in Berlin erscheinen. Desweiteren sind in naher Zukunft zusätzlich Lesungen in Kneipen und Cafes geplant. Von Berlin ausgehend soll sich das Gedichtekarussell allmählich auf Deutschland bzw. den deutschsprachigen Raum ausdehnen. Jede Dichterin und jeder Dichter ist mit seinem Beitrag zu Wettbewerben oder Diskussionen willkommen. Das Thema für August ist "Stadt". Der Einsendeschluss ist der 1. Juli 2008.
0 kommentare   0 trackbacks

     
28.01.2008 11:40

Statistik

Besucher aus Bern, Stockholm und Istanbul.

 

0 kommentare   0 trackbacks

     
07.11.2007 19:24

ClustrMap

0 kommentare   0 trackbacks

     
18.09.2007 16:02

Statistik

Besucher aus Oslo und Sankt-Petersburg.

 

0 kommentare   0 trackbacks

     
20.08.2007 16:07

Wladimir Kaminer bei "Zimmer frei!"

Letzte Woche habe ich rein zufällig einen Beitrag über Wladimir Kaminer in der Sendung "Zimmer frei!" gesehen. Es war äußerst unterhaltsam und ich war amüsant überrascht, wie Kaminer das Lied von der Biene Maja gesungen und interpretiert hat. Auf der Seite des WDR gibt es auch ein kleines Gast-Video davon.

Mit seinem Erzählband „Russendisco“ avancierte Wladimir Kaminer 2000 über Nacht zu einem der populärsten und gefragtesten Autoren Deutschlands. Der gebürtige Moskauer, 1990 nach Berlin übergesiedelt, schildert darin mit hintergründigem Witz Episoden aus dem russischen Emigrantenmilieu und beschreibt in schnörkelloser Sprache alltägliche und ungewöhnliche Begebenheiten im „neuen Berlin“. Das Erfolgsbuch soll demnächst auch verfilmt werden, und Kaminer würde gerne selbst mitspielen: „Die Rolle des Wodka trinkenden russischen Mafiabosses, der im Kasino Millionen verprasst, würde mich reizen.“

Bis heute sind zahlreiche weitere Werke des ungemein produktiven Schriftstellers erschienen, von „Schönhauser Allee“ bis hin zu „Ich bin keine Berliner – Reiseführer für faule Touristen“. Und regelmäßig veröffentlicht er seine Kolumnen in bekannten deutschen Tageszeitungen, moderiert Radiosendungen und ist ein gern gesehener Talkshow-Gast.

Aber noch einmal zur „Russendisko“: Der Titel des Erstlings-Erfolgs von Wladimir Kaminer bezieht sich auf die von ihm seit vielen Jahren veranstalteten Tanzveranstaltungen, bei denen er als DJ alte Sowjet-Rockplatten auflegt. Die legendäre „Russendisco“ ist längst Kult, mit ihr reist er inzwischen sogar rund um die Welt. Dem nicht genug hat Wladimir Kaminer im Dezember vorigen Jahres am Prenzlauer Berg sogar einen eigenen Club eröffnet. Dort will er auch für sein nächstes Buch weitere Studien über das Flirtverhalten deutscher Männer anstellen. In einem kürzlich erschienenen Interview stellt sich das für ihn etwa so dar: „Manchmal gehen sie mit dem Objekt ihrer Begierde 20-mal essen, 30-mal wandern, trinken 50 Liter Milchkaffee und essen kiloweise Sushi, bevor sie zueinander finden.“ Am Sonntag (12. August 2007, 22.45 Uhr, WDR Fernsehen) begibt sich Wladimir Kaminer selbst auf Partnersuche. In der „Zimmer frei!“-WG sucht er allerdings keine Frau fürs Leben, sondern eine Mitwohngelegenheit bei Christine und Götz. Und ob er einziehen darf, entscheiden die Zuschauer dann bereits nach einer Stunde.

[Quelle: WDR]

0 kommentare   0 trackbacks

     
10.08.2007 14:24

Statistik

Besucher aus Moskau, London und Dublin.

 

0 kommentare   0 trackbacks

     
02.08.2007 14:53

Russisches Berlin

Der Fernsehsender RBB bringt in dieser Woche in den Regionalnachrichten der Berliner Abendschau kurze Beiträge über das russische Berlin.

 

Am Montag wurde ein Beitrag über die Gazprom gesendet. Die Gazprom ist ein relativ gewaltiges russisches Unternehmen, das Erdgas in viele Länder exportiert. Die Gazprom Germania ist eine Filiale, die in Berlin einen Sitz in der Markgrafenstraße mit etwa 120 Mitarbeitern hat. Die russischen Pipelines des Unternehmens versorgen großflächig Deutschland und Westeuropa. Und seit wenigen Tagen ist Berlin sogar in Besitz der ersten Gasprom-Benzin-Zapfsäule der Stadt. Ohne sonst übliche Zwischenhändler sollte dort der Gaspreis besonders günstig sein. Doch diese Überlegung liegt weit fehl.
Susanne Kröck vom Berliner Kurier schreibt:

Berlin - Dobro poschalowat! Herzlich willkommen an der Erdgas-Zapfsäule der Gazprom Germania! Die steht bei der "Fox"-Tankstelle in der Nähe des Flughafen Tegel und ist die erste in Berlin und Deutschland.

"Wir wollten Präsenz zeigen. Mehr als die eine ist aber zur Zeit nicht geplant", erklärt Burkhard Woelki (47) von Gazprom Germania, der von seiner Deutschland-Zentrale in der Markgrafenstraße (Mitte) sein Westeuropa-Geschäft leitet. Seltsam: Obwohl Gazprom direkt an der Quelle sitzt (Russland hat die größten Erdgas-Vorräte der Welt) ist das Gas mit 95,9 Cent teurer als an den Gasag-Tankstellen.

Berliner Kurier, 01.08.2007

Aber zur Gazprom habe ich noch ein ganz persönliches Erlebnis aus Moskau mitgebracht. An einem sehr grauen und matschigem Tag in Moskau in der ersten Woche lief ich mit zwei anderen Mitgereisten entlang der Moskva durch den kalten Winter. Es wurde schon dunkel und die Leuchtreklamen von Gazprom und Megafon zwinkerten in blau von den Dächern herab. Diejenige von Megafon auf einer großen Halle, die auf den ersten Blick wie eine Fabrik des Konzerns aussah, war dann aber so verlockend mit der Spiegelung in einer riesigen Pfütze, dass ich meine Digitalkamera zücken musste. Ich kniete mich nieder und die anderen beiden standen neben mir und warteten bis ich fertig war. Doch kaum hatte ich das Foto ausgelöst, brauste ein wildgewordener Moskauer mit seinem Wagen auf der sonst leeren Straße heran. Und er fuhr genau durch die Pfütze, dass es einen riesigen Guss mit einem ordentlichen Wusch über uns gab. Wir waren komplett mit Schneematschschlamm von oben bis unten eingesaut. Wenn das nicht eine freundliche Willkommensgeste war.

Am Dienstag wurde von dem Moskau Inkasso Team berichtet, das Schulden auf denkbar fragwürdige Weise eintreibt. Kräftige Bodybuilder, meist Russen, ziehen durch die Stadt, um den Schuldnern auf den Leib zu rücken. Selbst der Blick auf die Webseite zeigt ein Bild, das Angst machen soll. Das Inkasso Team setzt die Schuldner unter Druck, indem sie immer häufiger, immer unerwartet an Plätzen auftauchen, an denen sich der Schuldner befindet. Sie konfrontieren ihn jedes Mal wieder mit der Zahlung, selbstverständlich nur mit Worten. Doch die Art und Weise und das Aussehen der Eintreiber wird sicher schon so manchen Schuldner zum Zahlen überredet haben.
Das Auftreten des Unternehmens wird deshalb auch als unseriös bezeichnet und bewegt sich rechtlich in einer Grauzone.

Am Mittwoch gab es einen für mich besonders interessanten Eintrag über ein Lebensmittelgeschäft in Marzahn: der Mix-Markt. Von meiner Wohnung aus ist er zu Fuß in etwa 20 Minuten erreichbar. Und ich war selbst schon einmal dort, als ich vor zwei Jahren in dem Gebäude meinen Erste-Hilfe-Kurs absolvieren musste. Ich kann mich nur vage daran erinnern, aber dass es sich um solch ein russisches Mekka handelte, ist mir kaum bewusst. Ich denke es wird Zeit, mal wieder einen Abstecher in die Jan-Petersen-Straße von Berlin-Marzahn zu machen.
Der Mix-Markt ist der größte russische Lebensmittelladen der Stadt Berlin mit über 1000qm Verkaufsfläche. Das Einkaufszentrum für osteuropäische Waren bietet neben Vodka und Pelmini alles, was der Russe braucht. Nebenan haben sich auch Cafes mit russischen Speisen, russische Reisebüros, Souvenier- und Zeitungsläden angesiedelt, so dass die Gegend von den Anwohnern schon heimlich als "Klein Moskau" bezeichnet wird. Immerhin leben auch über 20000 der 200000 Berliner Russen in Marzahn.
Und ich habe jetzt richtig Lust bekommen, einkaufen zu gehen, und meine Erinnerungen an Moskau aufleben zu lassen!

Am Donnerstag wurde über Charlottenburg und die vielen, oft noblen russischen Geschäfte oder Restaurants berichtet. Ganz besonders hat sich dort ein Ikonen-Restaurateur einen Namen gemacht, der in seinem Geschäft eine unglaubliche Vielfalt an Ikonen anbietet.
Über diesen Beitrag war ich doch sehr überrascht, da ich tatsächlich nicht wusste, dass sich auch in Charlottenburg eine große russische Gemeinschaft angesiedelt hat. Obwohl dort eher die Reicheren zu leben scheinen, im Vergleich zu Marzahn.

Am Freitag wurde im Beitrag der Abendschau zum Thema russisches Berlin über ein kleines Dörfchen in Potsdam vor den Toren der Stadt berichtet. Dort befindet sich die Siedlung Alexandrowka, die ganz einem russischen Musterstädtchen nachempfunden ist.
Als ich in Moskau war, schaffte ich es leider nicht, außer ein paar Datschas, solche Vorstädte zu betrachten, aber nun weiß ich schon, wo mich meine nächste Fototour hinführen könnte.

Am Samstag gab es einen Bericht über einen kleinen russischen Laden in der Schievelbeiner Straße. Das Geschäft nennt sich Kasatschok, was soviel wie Kosakentanz beudeutet. Der Laden hat sich zu einem beliebten russischen Treff im Kiez Prenzlauer Berg etabliert. Es gibt die wichtigsten Dinge des russischen Lebens von Lebensmitteln bis zu Filmen in Orginalsprache. An bekannten Souveniers kann man Wanka bzw. Wstanka (auch geschrieben Vanka bzw. Vstanka) erwerben, ein sogenanntes Stehaufmännchen mit dickem kugelrundem Bauch, so dass es sich immer wieder aufrichtet, wenn man es umkippen möchte.
Der Inhaber des Geschäfts ist ursprünglich studierter Musiker und spielt dann manchmal in seinem Geschäft oder abends nach Ladenschluss das ein oder andere Stück auf seinem Akkordeon, so dass man ordentlich das Tanzbein schwingen kann.

Am Sonntag wurde der Abschlussbeitrag zu dieser Reihe gebracht. Russische Musik in Diskos aus Mitte oder Marzahn.
In Mitte befindet sich das CCCP in der Torstraße, wo Partyfreunde aller Länder, Touristen und Russen miteinander vereint durch die lange Nacht tanzen können.
Im Treasure Garden in Springpfuhl in Marzahn sin hingegen fast nur jugendliche Russen anzutreffen, die dort unter sich sein wollen und ordentlich Party machen. Und was die Russen sagen stimmt wirklich: die Deutschen sind einfach zu lahm, was richtige Partys angeht. Der Russe kann von 0 auf 100 Party machen, wohingegen der Deutsche immernoch still und ruhig hinterm dritten Bierchen hockt, um sich in Stimmung zu trinken.

0 kommentare   0 trackbacks

     
02.08.2007 13:42

Strammstehen für Putin

In der russischen Jugendbewegung Naschi keimen großrussischer Stolz - und Antipathien gegen den Westen. Mehr als 10 000 Aktivisten treffen sich diesen Sommer am Seliger-See zu einem "Bildungsmegaprojekt". Was lernen sie dort?
[Von Manfred Quiring]

Getrappel nähert sich, wird immer lauter. Brechen Pferde, Rinder oder Rentiere los? Nein, es sind Tausende, meist in rote T-Shirts gewandete Jugendliche, die zu ihrem allmorgendlichen Lauf am malerischen Seliger-See aufbrechen, eine Wolke aufgewirbelten Staubs hinter sich lassend.

Click here to find out more!

Eben noch hat Wassili Jakemenko, der Chef der Putin-Jugendorganisation Naschi, den Tag mit einer kurzen anfeuernden Rede eingeleitet, die Aufgaben des Tages erläutert und zu Eifer und Disziplin im Interesse des Vaterlandes gemahnt. Jetzt führt er höchstselbst den Lauf zur Körperertüchtigung an.

Für die weiblichen Teilnehmer am Projekt "Seliger-2007" dröhnt auf dem Platz vor der Hauptbühne lockere russische Discomusik, auch "Popsa" genannt. Die Mädchen hüpfen im Rhythmus, immer die Losungen auf der Bühnendekoration im Auge: "Modernisierung des Landes" und "Schutz der Souveränität". Ein Stück weiter hängt ein Transparent, auf dem versichert wird, dass der "estnische Faschismus" nicht durchkäme. Steht das kleine Land der Esten mit seinen 1,5 Millionen Einwohnern bereit, um nach dem Streit um das Tallinner Kriegerdenkmal nun auch über Russland mit seinen 145 Millionen Einwohnern herzufallen?

Mehr als 10 000 Jugendliche aus allen Teilen Russlands nehmen in diesem Jahr an dem "Bildungsmegaprojekt" (Eigenwerbung) teil, das die russische Jugendbewegung Naschi - auf Deutsch: "Die Unsrigen" - bereits zum dritten Mal auf die Beine gestellt hat. Es ist eine organisatorisch grandiose, inhaltlich aber gruselige, weil auf Gehirnwäsche ausgerichtete Veranstaltung, die dem Besucher völlig offen und unverklemmt präsentiert wird.

Kirill, der 21-jährige Landvermesser aus Lipezk, hockt erwartungsvoll auf seinem Sitzkissen. Gleich wird ein Lektor ihm und weiteren 200 Jugendlichen erläutern, was Patriotismus ist und wozu er gut ist. Parallel dazu sprechen Politologen in anderen Zelten über die Ukraine, die von einem mit amerikanischen Geldern bezahlten Okkupationsregime beherrscht werde, und über die Nato, die schon bald die ukrainische Armee im Irak zur Schlachtbank führen wolle. Bildungsminister Andrej Fursenko referiert an dem Tag über die "Entwicklungsstrategie der Hochschulbildung Russlands im Kontext weltweiter Tendenzen".

Kirill hat sich für das Thema Patriotismus entschieden, weil es ein für ihn persönlich wichtiges Thema sei. "Diese Erkenntnisse kann ich künftig für mich anwenden und für mein Land insgesamt", versichert er flüssig nach einwöchiger Schulung.

Diszipliniert haben die Zuhörer zuvor am Zelteingang ihre Badges, die jeder umgehängt bei sich führen muss, an ein elektronisches Gerät gehalten. Das registriert die in den Karten enthaltenen Chips und übermittelt die Daten an die Zentrale. Die Lagerleitung weiß am Abend genau, wer sich wann wo aufgehalten und wer an welchen Veranstaltungen teilgenommen hat. Teilnahmeverweigerung bringt Minuspunkte und kann im schlimmsten Fall zum Ausschluss aus dem zweiwöchigen Sommerlager führen. 200 Teilnehmer hat es bereits getroffen, allerdings war da oft auch der verbotene Alkohol im Spiel. Der Ausschluss wird durchaus als harte Strafe verstanden, denn der Zulauf zum Sommerlager ist groß. Die Begeisterung auch. Die Mischung aus hochkarätig besetzten Lektionen, Besuchen hochrangiger Politiker wie der beiden ersten Vizepremiers Sergej Iwanow und Dmitri Medwedjew, aus Popmusik und Lagerromantik kommt gut an.

Jelena Sidnjewa (21), Studentin der Journalistik in Iwanowo, ist schon das zweite Mal am Seliger-See und findet es einfach wunderbar. "Hier kann man mit Freunden aus verschiedenen Städten reden, hier gibt es ein exzellentes Bildungsprogramm." Führende Historiker, Politologen, Wissenschaftler und Vertreter großer Unternehmen kämen an den See. "Hier kann man einen Platz für ein Praktikum oder einen Arbeitsplatz finden", denn es gebe sogar Jobbörsen, berichtet die Studentin fröhlich. Wer sich in der Naschi-Organisation bewährt, wer gar zum Rang eines Kommissars aufsteigt, kann sich deren Unterstützung auch in Bildungs- und Karrierefragen sicher sein.

Während wir Kirill im Gedränge aus den Augen verlieren, bleiben uns Jelena und ihre Freundin Julia, eine 19-jährige Pädagogikstudentin, erhalten. Sie sind abgestellt zur Betreuung der ausländischen Korrespondenten, denen sie im Verlauf des Tages nicht von der Seite weichen werden, deren Fragen sie freundlich und zügig beantworten. Unter dem allgegenwärtigen Slogan "Modernisierung" versteht Jelena vor allem die "kadermäßige Modernisierung". Die Organisatoren von "Seliger-2007" sprechen gar von einer "Kaderrevolution", die es in diesem und im kommenden Jahr herbeizuführen gelte. "National orientierte Manager", die hier im Lager am See ihre grundlegenden Werte - antiwestlich und großrussisch - erwerben, müssten Schlüsselpositionen in Wirtschaft und Politik einnehmen. Naschi schickt sich an zu einem Marsch durch die Institutionen, um den obwaltenden Merkantilismus durch einen patriotischen Geist auf allen Ebenen der Verwaltung und der Ökonomie zu ersetzen. Ein an sich verständliches Unterfangen angesichts der Korruption russischer Staatsbediensteter, wäre da nicht der großrussische Touch, das Liebäugeln mit der Weltherrschaft, das die jungen Politaktivisten umtreibt. Und die primitive Agitation, die US-Präsident George W. Bush mit Saddam Hussein vergleicht und dabei den Diktator zum besseren Menschen macht oder dem G-8-Gipfel von Heiligendamm mal eben gut 80 Tote unterschiebt, die es angeblich bei den Auseinandersetzungen der deutschen Polizei mit Globalisierungsgegnern gegeben haben soll.

Das Ziel von Naschi sei nicht mehr und nicht weniger, als "Russland zum globalen Führer des 21. Jahrhunderts zu machen", sagt die blonde Jelena lächelnd, während wir uns durch das dichte Gedränge des Lagerlebens schieben. Der Wald ist vom verwehten Qualm der Lagerfeuer durchzogen, auf denen der Frühstückstee bereitet wird.

Aber nicht durch den Besitz von Atomwaffen wolle Russland sein Ziel erreichen, wie Jelena eifrig hinzufügt, sondern durch sein kulturelles und intellektuelles Potenzial. Später steht sie, offensichtlich peinlich berührt, vor einem großen Plakat, auf dem die Losung von der "souveränen Demokratie" mit Abbildungen von Topol-M-Raketen illustriert ist.

Glaubt man den Agitationsmitteln, die am Seliger-See praktisch überall präsent sind, ist Russlands Souveränität in größter Gefahr. Sie gilt es zu schützen, ist eine der Hauptforderungen an die Naschi-Mitglieder. Vor wem? Jelena weiß die flinke Antwort: "Vor dem aggressiven Einfluss des Westens." Die Nato nähere sich den Grenzen Russlands, bei Russlands Nachbarn Ukraine und Georgien ereigneten sich Orangefarbene Revolutionen. Jelena nennt diese Ereignisse "Machtwechsel mit schmutzigen Mitteln". "Das", sagt sie, die Stirn in ernsthafte Falten legend, "werden wir in unserem Land nicht zulassen, wir müssen unser Land schützen und seine Macht bewahren. Russland soll von seinem eigenen Volk geführt werden, nicht von Marionetten Amerikas."

Nein, bisher habe es globale Gefahren für die russische Souveränität noch nicht gegeben, räumt sie ein. "Aber wenn es mal so weit kommen sollte, dann werden wir alles in unseren Kräften Stehende tun, um dem zu widerstehen."

Die perfiden Typen, die dem russischen Volk ans Leder wollen, werden auf der "Straße der roten Laternen"; einem hölzernen Weg in der Mitte des Lagers, vorgeführt. Hier kommen die Naschi-Mitglieder mehrmals täglich an den Abbildern jener vorbei, die sie für die Kostgänger der Amerikaner - beim sowjetischen Komsomol hieß es "amerikanischer Imperialismus" - halten. Die Porträts von Ex-Premier Michail Kassjanow, Ex-Schachweltmeister Garri Kasparow und dem Nationalbolschewisten Eduard Limonow wurden in aufreizenden Fotos von Prostituierten hineinkopiert. Kasparow, Chef der Bewegung "Das andere Russland", die sich für eine Demokratisierung des Landes einsetzt, wird als "Edelprostituierte" vorgeführt, die auch den amerikanischen Präsidenten "bediene". Er habe dem amerikanischen Volk die bedingungslose Treue geschworen und arbeite für bare Dollars.

Alexander, einer der Vorbeikommenden, hält das für erwiesen. "Unsere Organisation beobachtet die Medien sehr genau, wir haben unsere Informationen", versichert er. Die Quelle für Kasparows "Amerikatreue": die rätselhafte, angeblich aus Österreich stammende Zeitung "Der Velte". Sollten Leute wie Kasparow an die Macht gelangen, bedeute dies das Ende des aufblühenden Landes, meint Naschi.

Die Sommergäste, meist aus der Provinz angereist, können sich schon mal ein Bild von Russlands Zukunft machen, sollte dieser Fall eintreten. Zerfallende Holzhütten, zwischen denen sich Müll breit macht, Betonplatten, von Stacheldraht umgeben - das alles trägt die Bezeichnung "Das andere Russland". So heißt auch die von Kasparow geführte Bewegung. Jelena, die bestellte Lagerbilderklärerin, nimmt auch diese Installation für bare Münze. "Wenn wir 2008 nicht den richtigen starken Führer wählen, wenn wir unter die Fuchtel des Westens geraten, wird Russland so aussehen", glaubt sie.

Aber dagegen gibt es ja das Militär! Im Speziallager "Unsere Armee", wo der Tagesablauf dem in der Armee entspricht, wird für die Streitkräfte geworben, die durch die sogenannte Djedowschtschina, ein schikanöses System aus Zucht und Erniedrigung, schwer in Verruf geraten sind. Wehrpflichtigen wird das Programm "Sieben Schritte zu einem großen Russland" angeboten, das sie auf ihrem Weg durch den unbeliebten Wehrdienst begleitet, erläutert der 18-jährige Aschot Grigorjew die säuberlich aufgereihten Schautafeln. Die verlockende Zielprämie: ein Studienplatz an der Verwaltungshochschule und ein lukrativer, sicherer Arbeitsplatz, an dem der Ex-Soldat - Schritt sieben - "für das Wohl und die Größe seines Landes wirkt", agitiert Aschot.

Doch Größe und eine starke Armee sind ohne eine gesunde demografische Entwicklung illusorisch, wissen auch "Die Unsrigen". Fröhliches "Vermehren" ist deshalb angesagt. Das ist "angenehm und nützlich", steht auf dem T-Shirt, das sich eine hübsche Blondine übergestreift hat. 25 Paare nahmen das am vergangenen Sonntag wörtlich und veranstalteten eine Massenhochzeit. Anschließend bezogen die Jungvermählten ihr eigenes Zeltdorf. Das Ehepaar Wolny ließ auf einem Papierherz wissen, "wir wollen nicht weniger als zehn Kinder". Denn, so warnt ein handgemaltes Schild: "Wenn wir uns nicht vermehren, sterben wir aus wie die Mammuts."

0 kommentare   0 trackbacks

     
23.07.2007 15:35

Statistik

Mal wieder Besuch aus Moskau.

0 kommentare   0 trackbacks

   ältere beiträge
« 7  08 / 2008
mo di mi do fr sa so
123
45678910
11121314151617
18192021222324
25262728293031

»  Kiezblick
»  Parkour
»  Kaluga
»  Explosion
»  Statistik
»  Moskau
»  Fernsehen
»  Halloween
»  Speisen
»  Berlin
»  Einleitung
»  BloggerOfWeek
»  YouTube
»  Wetter
»  Kosmonaut
»  Tcheburaschka
»  Armee
»  NewsTicker
»  Foto
»  ClustrMap
»  Gedichtekarussell
»  Kyrillisch
»  StPetersburg
»  Flugzeug
»  moskau
»  Zeitung
»  UBootUser
»  Musik
»  Mail
»  Film
»  Krokodil
»  Video
»  Webcam
»  DRF
»  Kaminer