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02.08.2007 14:53

Russisches Berlin

Der Fernsehsender RBB bringt in dieser Woche in den Regionalnachrichten der Berliner Abendschau kurze Beiträge über das russische Berlin.

 

Am Montag wurde ein Beitrag über die Gazprom gesendet. Die Gazprom ist ein relativ gewaltiges russisches Unternehmen, das Erdgas in viele Länder exportiert. Die Gazprom Germania ist eine Filiale, die in Berlin einen Sitz in der Markgrafenstraße mit etwa 120 Mitarbeitern hat. Die russischen Pipelines des Unternehmens versorgen großflächig Deutschland und Westeuropa. Und seit wenigen Tagen ist Berlin sogar in Besitz der ersten Gasprom-Benzin-Zapfsäule der Stadt. Ohne sonst übliche Zwischenhändler sollte dort der Gaspreis besonders günstig sein. Doch diese Überlegung liegt weit fehl.
Susanne Kröck vom Berliner Kurier schreibt:

Berlin - Dobro poschalowat! Herzlich willkommen an der Erdgas-Zapfsäule der Gazprom Germania! Die steht bei der "Fox"-Tankstelle in der Nähe des Flughafen Tegel und ist die erste in Berlin und Deutschland.

"Wir wollten Präsenz zeigen. Mehr als die eine ist aber zur Zeit nicht geplant", erklärt Burkhard Woelki (47) von Gazprom Germania, der von seiner Deutschland-Zentrale in der Markgrafenstraße (Mitte) sein Westeuropa-Geschäft leitet. Seltsam: Obwohl Gazprom direkt an der Quelle sitzt (Russland hat die größten Erdgas-Vorräte der Welt) ist das Gas mit 95,9 Cent teurer als an den Gasag-Tankstellen.

Berliner Kurier, 01.08.2007

Aber zur Gazprom habe ich noch ein ganz persönliches Erlebnis aus Moskau mitgebracht. An einem sehr grauen und matschigem Tag in Moskau in der ersten Woche lief ich mit zwei anderen Mitgereisten entlang der Moskva durch den kalten Winter. Es wurde schon dunkel und die Leuchtreklamen von Gazprom und Megafon zwinkerten in blau von den Dächern herab. Diejenige von Megafon auf einer großen Halle, die auf den ersten Blick wie eine Fabrik des Konzerns aussah, war dann aber so verlockend mit der Spiegelung in einer riesigen Pfütze, dass ich meine Digitalkamera zücken musste. Ich kniete mich nieder und die anderen beiden standen neben mir und warteten bis ich fertig war. Doch kaum hatte ich das Foto ausgelöst, brauste ein wildgewordener Moskauer mit seinem Wagen auf der sonst leeren Straße heran. Und er fuhr genau durch die Pfütze, dass es einen riesigen Guss mit einem ordentlichen Wusch über uns gab. Wir waren komplett mit Schneematschschlamm von oben bis unten eingesaut. Wenn das nicht eine freundliche Willkommensgeste war.

Am Dienstag wurde von dem Moskau Inkasso Team berichtet, das Schulden auf denkbar fragwürdige Weise eintreibt. Kräftige Bodybuilder, meist Russen, ziehen durch die Stadt, um den Schuldnern auf den Leib zu rücken. Selbst der Blick auf die Webseite zeigt ein Bild, das Angst machen soll. Das Inkasso Team setzt die Schuldner unter Druck, indem sie immer häufiger, immer unerwartet an Plätzen auftauchen, an denen sich der Schuldner befindet. Sie konfrontieren ihn jedes Mal wieder mit der Zahlung, selbstverständlich nur mit Worten. Doch die Art und Weise und das Aussehen der Eintreiber wird sicher schon so manchen Schuldner zum Zahlen überredet haben.
Das Auftreten des Unternehmens wird deshalb auch als unseriös bezeichnet und bewegt sich rechtlich in einer Grauzone.

Am Mittwoch gab es einen für mich besonders interessanten Eintrag über ein Lebensmittelgeschäft in Marzahn: der Mix-Markt. Von meiner Wohnung aus ist er zu Fuß in etwa 20 Minuten erreichbar. Und ich war selbst schon einmal dort, als ich vor zwei Jahren in dem Gebäude meinen Erste-Hilfe-Kurs absolvieren musste. Ich kann mich nur vage daran erinnern, aber dass es sich um solch ein russisches Mekka handelte, ist mir kaum bewusst. Ich denke es wird Zeit, mal wieder einen Abstecher in die Jan-Petersen-Straße von Berlin-Marzahn zu machen.
Der Mix-Markt ist der größte russische Lebensmittelladen der Stadt Berlin mit über 1000qm Verkaufsfläche. Das Einkaufszentrum für osteuropäische Waren bietet neben Vodka und Pelmini alles, was der Russe braucht. Nebenan haben sich auch Cafes mit russischen Speisen, russische Reisebüros, Souvenier- und Zeitungsläden angesiedelt, so dass die Gegend von den Anwohnern schon heimlich als "Klein Moskau" bezeichnet wird. Immerhin leben auch über 20000 der 200000 Berliner Russen in Marzahn.
Und ich habe jetzt richtig Lust bekommen, einkaufen zu gehen, und meine Erinnerungen an Moskau aufleben zu lassen!

Am Donnerstag wurde über Charlottenburg und die vielen, oft noblen russischen Geschäfte oder Restaurants berichtet. Ganz besonders hat sich dort ein Ikonen-Restaurateur einen Namen gemacht, der in seinem Geschäft eine unglaubliche Vielfalt an Ikonen anbietet.
Über diesen Beitrag war ich doch sehr überrascht, da ich tatsächlich nicht wusste, dass sich auch in Charlottenburg eine große russische Gemeinschaft angesiedelt hat. Obwohl dort eher die Reicheren zu leben scheinen, im Vergleich zu Marzahn.

Am Freitag wurde im Beitrag der Abendschau zum Thema russisches Berlin über ein kleines Dörfchen in Potsdam vor den Toren der Stadt berichtet. Dort befindet sich die Siedlung Alexandrowka, die ganz einem russischen Musterstädtchen nachempfunden ist.
Als ich in Moskau war, schaffte ich es leider nicht, außer ein paar Datschas, solche Vorstädte zu betrachten, aber nun weiß ich schon, wo mich meine nächste Fototour hinführen könnte.

Am Samstag gab es einen Bericht über einen kleinen russischen Laden in der Schievelbeiner Straße. Das Geschäft nennt sich Kasatschok, was soviel wie Kosakentanz beudeutet. Der Laden hat sich zu einem beliebten russischen Treff im Kiez Prenzlauer Berg etabliert. Es gibt die wichtigsten Dinge des russischen Lebens von Lebensmitteln bis zu Filmen in Orginalsprache. An bekannten Souveniers kann man Wanka bzw. Wstanka (auch geschrieben Vanka bzw. Vstanka) erwerben, ein sogenanntes Stehaufmännchen mit dickem kugelrundem Bauch, so dass es sich immer wieder aufrichtet, wenn man es umkippen möchte.
Der Inhaber des Geschäfts ist ursprünglich studierter Musiker und spielt dann manchmal in seinem Geschäft oder abends nach Ladenschluss das ein oder andere Stück auf seinem Akkordeon, so dass man ordentlich das Tanzbein schwingen kann.

Am Sonntag wurde der Abschlussbeitrag zu dieser Reihe gebracht. Russische Musik in Diskos aus Mitte oder Marzahn.
In Mitte befindet sich das CCCP in der Torstraße, wo Partyfreunde aller Länder, Touristen und Russen miteinander vereint durch die lange Nacht tanzen können.
Im Treasure Garden in Springpfuhl in Marzahn sin hingegen fast nur jugendliche Russen anzutreffen, die dort unter sich sein wollen und ordentlich Party machen. Und was die Russen sagen stimmt wirklich: die Deutschen sind einfach zu lahm, was richtige Partys angeht. Der Russe kann von 0 auf 100 Party machen, wohingegen der Deutsche immernoch still und ruhig hinterm dritten Bierchen hockt, um sich in Stimmung zu trinken.

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06.02.2007 14:28

Matt Damon wieder in Berlin

In Berlin beginnen Ende Januar Dreharbeiten für den Hollywood-Thriller "The Bourne Ultimatum". Für die mehrtägigen Aufnahmen zum dritten Teil der "Bourne"-Reihe kehrt Matt Damon, der erneut die Hauptrolle des Jason Bourne übernommen hat, in die Hauptstadt zurück. Produziert wird der aufwändige Spionage-Thriller nach dem Buch des Bestsellerautors Robert Ludlum von Universal Pictures, Regisseur ist Paul Greengrass.
"Vom logistischen Aufwand pro Drehtag übersteigt diese Produktion noch, was wir on location für den letzten Bourne geleistet haben", sagte Henning Molfenter, Geschäftsführer von Studio Babelsberg. Gedreht wird wieder in der City. Die Zuschauer könnten sich dabei erneut auf spektakuläre Szenen freuen, sagte Studiosprecherin Miriam Rönn. Es werde gigantische Aufbauten geben. Dazu würden unter anderem künstlicher Schnee und eine spezielle riesige Lichtanlage eingeflogen.
In "Die Bourne Verschwörung" hatte es eine wilde Verfolgungsjagd durchs nächtliche Berlin gegeben. Jason Bourne war den Häschern durch einen tollkühnen Sprung von der Brücke am S-Bahnhof Friedrichstraße in die Spree entkommen. Gedreht worden war damals auch am Zoo und am Alexanderplatz. Nach Angaben der Sprecherin wird auch diesmal wieder ein Bahnhof eine Hauptkulisse abgeben. Details wollte sie aber nicht nennen. Laut Molfenter sind weitere Drehorte Marokko, Spanien, Frankreich, Großbritannien und die USA.
In "The Bourne Ultimatum" kehrt Matt Damon als Profikiller Jason Bourne zurück. Sein größter Wunsch war es, unterzutauchen. Statt dessen wird er nun von den Leuten gejagt, die ihn ausgebildet haben. Auf der Suche nach Spuren aus seiner Vergangenheit muss sich der Agent den Anforderungen einer neuen Generation von hoch qualifizierten Killern stellen.

[Quelle: ntv]

Wie in meinem Moskau-Blog beschrieben, stimmt es tatsächlich. Ich habe selbst erlebt wie sie künstlichen Schnee für einige Szenen verwendet haben. Die riesigen Lichtanlagen auf den Kränen waren auch sehr beeindruckend. Die armen Anwohner und Nachbarn, die in den Filmnächten sicher geglaubt haben mussten, dass sie eine Nacht unter zehn Vollmonden verbringen.
In dem Artikel steht aber leider nichts davon, dass es sich bei dem Dreh in Berlin eigentlich um eine Szene handelt, die in Moskau spielt. Davon bin ich zumindest überzeugt, da das eine Polizei-Fahrzeug vom russischen Typ mit Aufschrift Moskau war.
Das Geheimnis um den Bahnhof läßt sich ganz leicht lüften. Es handelt sich um den Bahnhof Lichtenberg im Osten der Stadt.

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27.11.2006 19:04

Berliner Zeitung

Auf der Suche in der Suchmaschine Google nach dem Titel "Von Berlin nach Moskau", also nach dem Namen meines Haupt-Blogs, stieß ich auf einen aktuellen Beitrag in der Berliner-Zeitung.

[Zitat Anfang]

Von Berlin nach Moskau

Dascha Kudryavtseva

Jeder Moskauer, der mich in Berlin besucht hat, hat mich gefragt: "Wo sind denn alle Leute?" Denn für jemanden, der aus Moskau kommt, erscheint Berlin ganz leer. Als ob "alle ausgestorben sind", wie wir Moskvitchi sagen. In der U-Bahn, im Park, sogar auf dem Boulevard Unter den Linden gibt es kaum Leute. Moskaus Innenstadt ist immer voll, Tag und Nacht - im Zentrum rund um den Kreml und an der Hauptstraße Tverskaja gibt es ständig einen ganzen Fluss von Leuten. Das ist sehr verständlich, wenn man bedenkt, dass Moskau 10,5 Millionen Menschen hat, Berlin dagegen 3,4 Millionen.

Dafür gibt es in Berlin viele Tiere. Manchmal scheint es mir, es gibt mehr wilde Tiere in Berlin als Leute. Ein Fuchs oder ein Wildschwein in Moskau? Kann ich mir gar nicht vorstellen. Bei uns sieht man einen Fuchs eher als schönen Pelzmantel. Meine Begegnungen mit Füchsen und Eichhörnchen im Berliner Tiergarten (im Zentrum der Stadt!) und im Schlosspark Charlottenburg gehören zu den Anekdoten, die ich zurück nach Moskau bringen werde.

Als ich in meiner ersten Woche in Berlin abends ins Studentenwohnheim Eichkamp zurückkehrte, habe ich oft Geräusche im Gebüsch gehört. "Ein Räuber!", ist der erste Gedanke, der im Kopf einer Moskauerin auftaucht. "Oh, wieder diese Wildschweine", denkt ein Berliner. "Warum jagt sie niemand?", fragt mein Moskauer Bekannter, und kann kaum glauben, dass das verboten ist. Bei uns wären alle Wildschweine längst Bulette oder Speck.

Die Autorin stammt aus Moskau und lebt seit September in Berlin. Sie macht ein Praktikum bei der Berliner Zeitung.

Berliner Zeitung, 21.11.2006

[Zitat Ende]

Daraufhin antwortete ich in einem kurzen Leserbrief.

Guten Abend,

der kleine Artikel von ihnen hat mir sehr gefallen, zumal ich selbst beabsichtige im nächsten Jahr von Berlin nach Moskau zu gehen. Zumindest erstmal für einen Monat, um das Leben dort zu spüren.

Aber es stimmt wirklich. Manchmal ist Berlin wie leergefegt. Selbst an einem Freitag oder Samstag Abend. Gerade erst am letzten Wochenende meinte ein Freund, der zu einer Party mit der S-Bahn kam: "Wo sind denn die ganzen Leute? Der Bus ist leer, die Bahn ist leer, die Straßen sind leer..."
Mich wundert es manchmal auch, aber gibt es auch Tage, an denen es doch recht voll Leben ist.

Das mit den Tieren stimmt wohl. In Berlin gibt es alles, Eichhörnchen, Füchse, Igel, Mäuse, Ratten, Tauben, Spatzen, Adler, Turmfalken, Fledermäuse, Rehe, Hasen und Wildschweine. Eine Freundin aus Moskau war auch sehr überrascht, dass uns ständig des Nachts Tiere über den Weg liefen. Aber gerade darum mag ich Berlin auch.
Im Tiergarten, ihre beschriebenen "Räuber", das sind entweder die unzähligen Häschen, die sich dort im Paradies tummeln, oder kleine weiße Mäuschen. Denn ich machte im Dunkeln diese Entdeckung, als es überall im Gebüsch raschelte, und ich mit meiner Fahrradlampe auf Suche ging. Viele kleine Mäuse kamen aus ihren Erdlöchern gekrabbelt und wühlten durch das Gestrüpp. Also keine Angst vor Räubern. ;o)
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