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pinolino » blog » Prosa » Das Märchen vom Zauberer und der Prinzessin


     
26.10.2006 12:48

Das Märchen vom Zauberer und der Prinzessin

Es war einmal… vor vielen, vielen Jahren in einem kleinen abgelegenen Dorf am Fuße eines Berges. Dort lebte eine hübsche Prinzessin. Sie war im ganzen Land für ihr fröhliches Wesen und ihre wundervolle Haarpracht bekannt. Doch verbrachte sie ihr Leben Tag für Tag sehr zurückgezogen in ihren Zimmern und schrieb. Das Schreiben von Briefen bereitete ihr so viel Freude, dass sie glaubte ein glückliches Dasein zu führen.
Eines Tages erhielt sie Post von einem Zauberer. Er wohnte einige Ländereien entfernt in einer großen Stadt. Sie waren beide sehr neugierig aufeinander, da sie doch aus völlig verschiedenen Welten stammten. Es war der Reiz des Neuen, des Ungewissen, der sie stundenlang miteinander beschäftigte, ohne zu langweilen.
Und so wurde die Verbindung zwischen ihnen immer intensiver und enger. Bis sie es eines Tages vor Sehnsucht kaum noch aushielten und beschlossen einander zu treffen. Der Zauberer schwang sich auf sein edles Ross und ritt in Windeseile zu ihr.
Als er am vereinbarten geheimen Treffpunkt eintraf, stand sie schon da unter einer alten Eiche, geschützt vor dem herabfallenden Regen. Sie umarmten sich, und sie wies ihm den Weg in ihre Gemächer. Er war beeindruckt von allem. Von der Natürlichkeit der Natur und der Prinzessin. Ihre Schönheit und Fröhlichkeit. Ihr Lachen. Ihre Offenheit.

Fernab aller Befürchtungen, die sie zuvor gehegt hatten, einander möglicherweise nicht zu verstehen und in Gram und Zank zu verfallen, verstanden sie sich großartig. Es gab für den Zauberer viel zu entdecken. Vor einigen Jahren als Kind war er schon einmal dort gewesen. Und vielleicht waren sie sich damals über den Weg gelaufen, ohne es zu wissen, und nun hatte das Schicksal ihre Wege zusammen geführt.
Es war ein ganz besonderer Tag, der am Abend mit einem großen Festmahl gefeiert wurde. Kugelrund und zufrieden endeten wundervolle Stunden im gemeinsamen Bett.
Nur die Schüchternheit und die Befremdlichkeit, mit einem anderen im Bett zu liegen, verbot es ihnen, einander näher zu kommen. So lag der Zauberer ganz links an der Wand, während die Prinzessin am rechten Rand des Bettes schlief.

Der nächste Morgen begann mit strahlendem Sonnenschein, der über die Bergkuppe und durch die Wipfel der Bäume in das kleine Küchenfenster strahlte. Sie spannten die Pferde vor den Wagen und begaben sich in die nächste Stadt. Gemeinsam erklommen sie den Turm einer Kirche und schwebten über den Wolken. Atemberaubend schön.
Mittags kehrten sie in ein altes Wirtshaus ein. Und hätte man nicht gewusst, dass sie Freunde sind, so hätte man glauben können, sie wären ein Paar. Ein ganz besonderes.
Am Abend wurde mit der Kutsche Ziel auf ein verrücktes Tanzlokal genommen. Wild sprangen sie zum Rhythmus der Musik. Sie strahlten auf ihren Gesichtern. Der Schweiß rann über ihre Leiber. Sie genossen jeden Augenblick in vollen Zügen.
Doch die Nacht war noch nicht zu Ende. Alsbald begann die Morgendämmerung, als sie in das Bett fielen und ewig redeten. Ein schier endloses Gespräch. Es knisterte in der Luft. Das Atmen viel schwer. Die Stimmen waren klar und sanft. Die Prinzessin rückte ein Stück näher. Der Zauberer tat es ihr gleich. Und ehe sie sich versahen, lagen sie Gesicht an Gesicht. Das Atmen wurde lauter und intensiv. Sie spürten einander, ohne sich zu berühren. Der Zauberer nahm ihren lieblichen Geruch wahr, konnte nicht genug von ihr bekommen. Diese Spannung und das Kribbeln zwischen ihnen stiegen ins Unermessliche. Sie lagen nebeneinander. Ganz dicht. Ihre Nasenspitzen berührten sich für einen kurzen Moment. Das Herz der Prinzessin begann zu rasen.
Mit seinen magischen Händen begann der Zauberer sie sanft im Nacken zu kraulen. Er fuhr ihr vorsichtig durch ihre langen Haare, streichelte sanft ihr Ohr und strich zart über ihre Wange. Durch die geschlossenen Fensterläden war es so dunkel, das sie einander nicht sehen konnten. Sie fühlten. Ein Gefühl, das wahnsinnig machte. So intensiv und aufregend.
Er legte den Arm auf ihre Schulter und wollte sie halten. Sie ganz nah spüren. Doch in diesem Moment erschrak sie:
„Was hast du vor? “ fragte sie mit ernster Stimme.
Der Zauberer war überrascht, glaubte zu weit gegangen zu sein, und antwortete:
„Mit dir kuscheln…“
Dann lagen sie eine Weile da. Stumm. Noch immer schwer atmend. Doch der Zauberer hatte all seinen Mut verloren, er konnte nicht mehr weiter gehen. Er vermutete, sie würde es nicht wollen. Und wenn das ihr Wunsch war, dann sollte es so sein.
Die Prinzessin lag zurückhaltend neben ihm, berührte ihn nicht, als hätte sie Angst davor. Der Zauberer hatte seine Magie in die Wagschale geworfen, doch seine Kraft vermochte es nicht, sie zu verzaubern. Sie lagen noch ein Weilchen nebeneinander. Allmählich löste sich die Umarmung, die Lider wurden müde und beide versanken in einen tiefen glücklichen Schlaf.

Der neue Tag begann schleppend. Der Zauberer war müde von der letzten Nacht. Kaum aus dem Bett zum Essen aufgestanden, fiel er danach wieder hinein vor Kälte. Und vielleicht vor Einsamkeit. Ihm war bewusst geworden, wie allein er doch war.
Seine Prinzessin hielt sich in einem anderen Zimmer auf, war beschäftigt, und er wollte sie nicht stören. Sie wollte sicherlich auch ihre Ruhe haben und ungestört ihren Dingen nachgehen. Und da ihm das Haus und die Umgebung fremd waren, wusste er nichts Besseres zu tun, als zu dösen.
Der Tag endete, und es wurde Nacht. Etwas war geschehen. Seine Prinzessin kam ins Bett, doch von der Wärme und Nähe am Vortag war nichts mehr zu spüren. Sie klemmte sich wieder an den Bettrand. Er spürte dies, drehte sich zur Wand und dachte nach. Er konnte nicht einschlafen, tausend Gedanken gingen ihm durch den Kopf. Er spielte noch einmal die Szenerie der letzten Nacht durch… bis er mit Tränen in den Augen seinen Schlaf fand.

Ein neuer hoffnungsvoller Morgen brach an. Aber sie schwand in Windeseile. Die Prinzessin verkündete ihm, dass sie nicht mit ihm reisen könne, so wie es vereinbart worden war. So gern wäre sie mit ihm gekommen, doch sie konnte nicht.
Der Zauberer war arg traurig, doch konnte er ihre Gründe verstehen. Er grübelte über die Ereignisse der vergangenen Tage nach, und kam zu dem Entschluss, mit ihr allein reden zu wollen. Eine gute Gelegenheit würde sich in dem Bad ergeben. Doch er ahnte es schon. Es fiel aus. Stattdessen wollten sie gemeinsam durch den Wald spazieren. Und der Zauberer dachte sich, dann dort mit ihr reden zu können.
Aber wie das Schicksal so spielte, waren sie nicht allein. Sie wurde von ihren Eltern begleitet. Und als sich viel später eine Gelegenheit bot, wusste der Zauberer nicht mehr, worüber er mit ihr reden wollte. War es gut so? Seine Sorgen waren verflogen. Denn es war ein wunderschöner Nachmittag. Sie lachten wieder zusammen, freuten einander. Die Prinzessin ärgerte ihn auch liebend gern, nur im Scherzen. Und der Zauberer stieg mit ein. Sie alberten herum, jagten einander, pieksten in die Rippen und kitzelten sich. Wie ein Liebespaar. Oder wie Geschwister. Aber für diesen Moment war alles andere egal. Nur sie beide zählten. Sie waren fröhlich. Sie waren glücklich.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann sehen sie einander wieder...

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