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pinolino
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pinolino » blog » Prosa


     
26.10.2006 13:01

Niemand ist eine Insel?

Wie alles vor vielen vielen hundert Jahren begann. Damals gab es eine große Insel, die in einem riesigen weiten Ozean schwamm. Sie war umgeben von dem tiefen Blau und den Wogen der Nässe. Auf dieser Insel lebten die Menschen. Sie wuchsen allmählich heran, es bildeten sich kleine und grosse Grüppchen. Aber es gab auch viele unter ihnen, die ganz allein lebten.
Eines Tages, als die Menschen eine gewisse Reife erreicht hatten und sich neue Ziele setzten, kam es zu Konflikten und Streit. Jeder besaß sein eigenes Ziel. Und obwohl sie alle im Grunde das Gleiche vor Augen hatten, die Liebe, so wählte doch jeder seinen eigenen Weg. Und da sich keine gemeinsame Lösung finden ließ, zerbrach die Insel in viele tausend Stücke.
Zurück blieb nur der Kern, als großes Ganzes, der die Kinder und Heranwachsenden beherbergte. Die anderen trieben auf ihren Schollen hinaus in die Weiten des Meeres. Stets auf der Suche...

Aber es gab sogar einige Schollen, auf denen zwei Menschen einen Platz gefunden hatten. Sie sahen glücklich aus. Doch wie kam es dazu?
Es war die Jugendliebe ... man sah es daran, dass deren beider Schollen nur mit einem dünnen morschen Strick verbunden waren. Lange würde er nicht den Gemeinheiten des Ozeans stand halten. Nur die wenigsten schafften es ... zogen die Stricke immer fester, entdeckten gemeinsam neue Wege, um miteinander durch das Leben zu treiben...

Die Mehrheit war immer noch einsam unterwegs ... aber im Ozean gab es genügend Treibgut, dass sich die Cleveren zu Nutze machten. Einige fischten Äste aus dem Wasser, und wenn eine andere Scholle vorbeitrieb, streckten sie ihnen den Ast entgegen. Und wenn der andere seine Chance erkannte, wahrnahm und nach dem Zweig des Glückes packte, so fanden sie zueinander. Dann konnten auch sie ihre Schollen miteinander verbinden.
Einige waren sogar so erfinderisch, dass sie die Schollen so fest zusammenschweißten, dass sie nie mehr getrennt würden. Andere waren sehr leichtsinnig, nahmen nur einen zaghaften Bindfaden, der schon bei der kleinsten Woge zerriss und die Schollen auseinander trieb. Trauer umgab sie dann. Manchmal.

Aber die Hoffnung keimte immer wieder auf. Es wurde aufs Neue versucht, einen Partner zu finden. Manchmal konnte es schon an Verzweiflung grenzen, an Zufall oder Schicksal ... und so kam es, dass sich auch gleichgeschlechtliche Paare fanden, wenn gerade zufällig eine Scholle vorüber trieb. Aber wenn die Liebe erst einmal gefunden ist und verbindet, dann läßt sie sich nicht so schnell wieder los.

Und mit der Zeit gab es immer mehr Paare. Einige Schollen wuchsen mehr und mehr und bildeten schon wieder kleine Inseln, wenn sich Nachwuchs ankündigte...

Doch was geschah mit jenen, die keinen Rettungsanker fanden, keinen Strick hatten, mit dem sie sich woanders binden konnten? Die immer zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort auftauchten, oder zu unaufmerksam waren und eine Chance verpassten? Wenn ihnen jemand eine Eisenstange hinhielt, sie aber träumten, am Kopf getroffen wurden und bewusstlos zu Boden fielen...
Und wenn sie wieder erwachten, fanden sie sich an einem anderen Ort, in einer anderen Zeit. Nur eines war gleich geblieben. Sie waren immer noch einsam, einsam und allein. Und immer auf der Suche. Nach Liebe...

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